Die Mimesis

Mimesis ist eine allgemeine Naturbegabung, sie ist ein Vermögen des Lebens durch die die vielfältigen Erscheinungen in der Natur entstehen. Sie ist die grundsätzliche Verbindung jedes Organismus mit der ihn umgebenden Welt, seine Anbindung an den Urgrund des Lebens.

Zu den mimetischen Geschehen beim Menschen gehört selbstverständlich auch, dass sie sich auch an den Werken, die der menschlichen Vorstellungsgabe und des Verstandes entstehen, ausrichtet.

Lebt die Gesellschaft in einer Verkehrung der natürlichen Ordnung, werden auch die daraus sich ergebenden Strukturen durch die Mimesis angeeignet. Hier ist ein bewusstes Erkennen der Verkehrung notwendig, um diesen Prozess der Aneignung zu unterbrechen.

 

"Aneignung bezeichnet die Weise, wie Menschen und vermutlich alle Lebewesen sich der Wirklichkeit annähern, also der Welt, in die sie geboren werden. Sie müssen sie sich zu eigen machen, um einen Wirklichkeitssinn auszubilden. Den brauchen sie, um sich in der Welt bewegen zu können, also insgesamt, um zu leben. Mimesis ist die Grundlage des Lebens. Ohne sie käme das feine Netz aller Erscheinungen gar nicht zustande."

Renate Genth "Über Maschinisierung und Mimesis"

 

Man nähert sich beim Aneignen dem Phänomen suchend von möglichst vielen Seiten an, um zu erkennen und zu verstehen, nicht um zu beherrschen. Dabei gehört Empathie ebenso wie auch distanzierte Reflektion dazu. Die Art der Aneignung wird gleichzeitig zum Maßstab der Lebensfreundlichkeit des Akteurs. 

Somit ist die Mimesis ein Ausdruck des Lebens der besonders den geistigen Bereich charakterisiert, in dem aber das Lebewesen immer als organismische Einheit reagiert. Wir möchten hier den Begriff Geist im Gegensatz zu der immer zitierten Intelligenz als Metapher der geistigen Fähigkeiten des Menschen einführen.