Vorwort - Nachhaltige Entwicklung

“Es ist ein bemerkenswertes Phänomen, dass während der Entfaltung des Kapitalismus und seiner Ethik, das Mitgefühl…..keine Tugend mehr ist. Die neue ethische Norm ist der Fortschritt, im Sinne der Ökonomie, im Wachstum der Produktion und in der Schaffung eines immer effizienteren Produktionssystems. Alle menschlichen Qualitäten, die dem Fortschritt dienen, sind tugendhaft und alle die den Fortschritt verhindern sind “sündhaft”. Es ist eine Tatsache, dass das Mitgefühl den Fortschritt nicht unterstützt, sondern im Gegenteil ihn bremst.” (2)

 

Aus Sicht der industrialisierten Länder gilt Bolivien als eines der sogenannten “Entwicklungs-Länder”, man sagt, es braucht eine NACHHALTIGE ENTWICKLUNG und dazu bieten viele Organisationen ihre Unterstützung an. Diese nachhaltige Entwicklung zielt ausschliesslich auf die ökonomische und technologische Entwicklung ab – als Vorbilder gelten dabei die industrialisierten Länder (USA, Europa usw.).

Jedoch wie nachhaltig ist die Entwicklung dieser “Vorbild-Länder”? Ist es das, wie in diesen Ländern heutzutage gelebt, gehandelt, gearbeitet und konsumiert wird? Ist es die unbegrenzte Ausbeutung der Erde und des Menschen, durch die inzwischen der grösste Teil der Landschaften zerstört, sowie die natürlichen Wasserkreisläufe durch den massiven Abbau der Bodenschätze und eine hochmechanisierte, globalisierte Land- und Forstwirtschaft zerstört wurden? Oder ist es die soziale Isolierung und Vereinsamung des Menschen in einer ausschliesslich nach ökonomischen Gesichtspunkten ausgerichteten Gesellschaft?

Was wäre also eine NACHHALTIGE ENTWICKLUNG?

 

Betrachten wir die Erde und den Kosmos als lebenden Organismus, erkennen wir, dass darin immerwährende lebensschaffende, lebenserhaltende Prozesse stattfinden. Es wirken aufbauende und abbauende Kräfte, wobei immer die aufbauenden Kräfte überwiegen. Mit einem geringstmöglichen Energieaufwand wird das bestmögliche Resultat erzielt. Das gewährleistet die Lebensfähigkeit aller folgenden Generationen. (3)

Zum Vergleich dazu gebrauchen die Menschen der technisierten, kapitalisierten Welt überwiegend die abbauenden, zerstörenden Kräfte, was gleichzeitig bedeutet, dass mit riesengrossem Energieaufwand ein Ergebnis erzielt wird, das in keinem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand steht. Nahezu die gesamte Energie-Gewinnung beruht auf diesem Prinzip, mit dem Ergebnis, dass in naher Zukunft die bisher genutzten Energievorräte erschöpft sind und kein ausreichender Ersatz vorhanden ist. (4)

Das ist aber nur die eine Seite des Problems. Das oben beschriebene Handeln des Menschen wirkt sich auch auf sein Denken und Fühlen aus. Der Mensch verliert dadurch seine typischen menschlichen Qualitäten, Mitgefühl, Solidarität etc. er handelt und denkt vorwiegend mechanistisch und atomisiert.

 

Demnach ist nachhaltige Entwicklung nicht im Einklang mit unserem derzeitigen sozio-ökonomischen System zu erreichen – wir müssen eine andere Basis unseres Zusammenlebens schaffen. Zu unseren wichtigsten Lebensgrundlagen gehört eine solidarische und auf Gegenseitigkeit ausgerichtete Gemeindestruktur, die unter anderem die Ernährungssicherheit gewährleistet. Dazu braucht es eines fundamentalen Umdenkens, weg von globalem gewinnorientierten Planen, hin zum Aufbau und Stärkung regionaler Versorgung der Märkte durch Kleinbauern und Handwerk.

Eines der Hauptprobleme in Bolivien ist die bereits vorhandene fortgeschrittene Zerstörung der Böden und des Wassers durch die jahrhundertelange Ausbeutung der Bodenschätze und die grossflächige Abholzung der Wälder, sowie in jüngerer Zeit die verstärkt industrialisierte Landwirtschaft in Monokulturen für den Export. Hier soll nur als Beispiel der grossflächige Anbau von Soya in Bolivien für billige Futtermittel in Europa und die geplante Ausdehnung der Anbauflächen für die Produktion von Agro-Kraftstoffen (Bio-Diesel, Äthanol) dienen.

Die Konsequenzen für die Lebensmittel-Produktion und die Umwelt sind offensichtlich.

Da in Bolivien die Kleinbauern noch einen grossen Anteil an der Bevölkerung darstellen, könnte sich daraus mit entsprechender Unterstützung diese neue Basis entwickeln. Schwerpunkt müsste dabei auf ausgewogenen, bedarfsgerechten Anbau (Wasser- und Bodenschutz) und auf eine damit verbundene Stärkung der Komunalstruktur gelegt werden.

Die entsprechenden gesetzlichen und strukturellen Voraussetzungen wurden bereits durch die Regierung unter Evo Morales mit Hilfe der sozialen Bewegungen geschaffen. Als Schwerpunkte seien hier nur die gerechte Verteilung des Bodens, die Stärkung und Förderung von regionalen Strukturen und Kleinbetrieben und auf dem Gebiet des Wasserschutzes speziell die Neugründung eines Ministeriums für Wasser genannt.

Deshalb erarbeiteten wir zusammen mit den Comunarios der Gemeinde El Alto de la Yuruma, wo wir seit über zwei Jahren leben das nachfolgende Programm.

Schwerpunkte des Projektes sind:

- Stärkung der Familienstrukturen in der Gemeinde durch gemeinsames Erarbeiten, Planen und

Durchführen des Projektes

- Umstellung des Anbaus zur Sicherung der Grund-Ernährung der Familien

- Weiterverarbeitung von Produkten und Kleinhandwerk

- Wiederbepflanzen der erosionierten Böden

- Quellen- und Uferschutz der Flussläufe, um das Überschwemmungsrisiko flussabwärts zu

vermindern

- Verbesserung der Wohnbedingungen und Infrastruktur

Damit leistet jede Familie einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Böden und des Wassers fuer die Bewohner des gesamten Flusslaufes und des Flachlandes. Für diese Arbeit soll sie auch eine entsprechende finanzielle Unterstützung erhalten.

Der Dreh- und Angelpunkt des Konzeptes ist zu verdeutlichen, dass Wasser- und Landschaftsschutz nicht eine Aufgabe von einigen Personen sondern der gesamten Gesellschaft ist. Es ist unzureichend einige geschützte Landschaftsparks einzurichten, und auf den restlichen Flächen in alter gewohnte Weise weiter zu wirtschaften, sondern vielmehr muss das gesamte gesellschaftliche Leben und Arbeiten dementsprechend umgestaltet werden, damit die Menschen von den reichlichen Gaben der Natur leben können, ohne sie zu zerstören. Es handelt sich um einen dringend notwendigen, grundlegenden Umgestaltungsprozess, der nur durch die breite Mitwirkung aller Menschen und nicht durch zentrale Planung und Steuerung erreicht werden kann (Basisdemokratie).

 

Die Ursachen für unsere Probleme wie Hunger, Krieg und Umweltzerstörung liegen nicht in den einzelnen Ländern, sondern in unserem weltweiten Wirschaftssystem. Daraus ergibt sich, dass es nicht nur um eine Hilfe für Klein-Bauern in Bolivien geht, sondern um eine gemeinsame Kraftanstrengung der gesamten Welt-Gesellschaft zur Stärkung der Kleinbauern – auch in den industrialisierten Ländern, um dadurch einen Prozess für eine nachhaltige Entwicklung zu initiieren.

 

Ignacio Ellacurïa – Jesuit und Befreiungstheologe in El Salvador, ermordert 16.11.1989 in El Salvador

Erich Fromm – “Revolution der Hoffnung”

Viktor Schauberger “Unsere sinnlose Arbeit”

Matthew R. Simmons “Wenn der Wüste das Öl ausgeht”


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Integrales Programm der Comunidad El Alto de la Yuruma
Dieses Projekt wurde von der Comunidad im Jahr 2006 beim entsprechenden Ministerium in Bolivien eingereicht.
Programm_Yuruma_deutsch.pdf
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El Programa Integral de la Comunidad El Alto de la Yuruma
La realidad de nuestra sociedad es destrucción - y sus productos son:
devastación, enfermedad, pobreza, guerras, muerte para nosotros y
las generaciones en el futuro. El sistema socio-económico que el ser
humano ha creado, ha fracasado, porque nunca era sostenible. El
reloj corre en contra nuestra. – ver también, pico del petróleo –
escasez de la energía –
¡Solamente la vida, la naturaleza ha creado un sistema sostenible,
hay que aprenderlo!
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