Bolivien - der Intuition folgen

 

Der Schritt nach Bolivien zu gehen – im Jahr 2004 und wieder zurückzugehen im Jahr 2009 – was uns dazu bewegte und was unsere Erfahrungen daraus sind. Wir beschreiben es hier, um zu zeigen, dass ein anderes Leben, eine Gemeinschaft in dem „das Leben“ im Fokus steht, möglich ist.

 

Nach Gesprächen, die sich immer wieder um das gleiche Thema drehten:

Was stimmt nicht, in unserer Gesellschaft ? Die Kriege, im 20./ 21. Jahrhundert, die so sinnlos      erscheinen? Das Lebensprinzip, das wir als etwas Wunderbares empfinden, das wir achten und wertschätzen – warum lebt die uns umgebende Gesellschaft -anscheinend- nach einem völlig anderen Prinzip. Was bewegt die Menschen dazu, die Natur ausschliesslich als Objekt zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse zu betrachten – und nicht als lebendigen Organismus. Damals kannten wir die Forschung der „kritischen Patriarchatstheorie“ noch nicht, auch nichts über die „Matriarchatsforschung“. Kurz bevor wir nach Bolivien gingen, kamen wir in Kontakt mit der Forschung über die Sinnvollen Biologischen Sonderprogramme. Diese Forschung haben wir dann in der Zeit in Bolivien intensiv studiert.

Wir hatten nur dieses „Gefühl“, es muss einen Grund für dieses zerstörerische Gesellschafts-Modell geben – und es muss eine Möglichkeit geben, anders zu leben. Im Einklang mit der Natur, eingebettet in den großen Gesamt-Organismus.

Wir stellten uns die Frage, ob wir wohl ein „einfaches“ Leben in einem anderen Land leben könnten. Wir, die wir aus einem so „hoch entwickelten“ Land, wie Deutschland kommen.

 

Verschiedene „Zufälle“ führten uns dann nach Bolivien – in ein Land also mit über 30 Ethnien – von dem wir nichts kannten, ausser, dass man es bei uns als eines der „ärmsten Länder“ der Welt bezeichnet. Das bedeutete, alles in Deutschland aufgeben, Trennung von den inzwischen erwachsenen Kindern – ein Neubeginn von „NULL“ an, ohne zu wissen, was auf uns zukommt.

In Bolivien lernten wir die Sprache (spanisch, nicht die Sprache der verschiedenen Ethnien – sie erschien uns zu schwierig - sicherlich wäre es noch einmal anders gewesen, sich mit den Menschen dort in ihrer Mutter-Sprache zu unterhalten – ein Manko von uns). Eine kleine monatliche Rente ermöglichte uns ein Leben ohne ökonomischen Zwang und finanzielle Abhängigkeit auf einfachstem Niveau, das wir ja leben wollten.

Nach einem halben Jahr nach unserer Ankunft in Bolivien, konnten wir, mit Hilfe von Einheimischen ein Grundstück im Campo erwerben, ca. 120 km von Santa Cruz entfernt am Fuß der Anden in etwa 1600 m Höhe. Es ist ein Grundstück, das lange schon nicht mehr bewirtschaftet wurde und nur noch ein paar Holzpfosten von einem Häuschen übrig waren.

Die Bauern dort halfen uns beim Hausbau, der sich ungefähr über ein Jahr hinzog – in dieser Zeit lebten wir im Zelt, neben dem entstehenden Haus. Also eigentlich halfen wir den Bauern unser Haus zu bauen, denn das Wissen, wie man aus Lehm, Heu und Sonne Ziegel macht, und daraus ein Haus (zwar nach unseren Vorstellungen) baut, lag eindeutig bei ihnen. Genauso das Wissen, wie ein Lehmofen zum Brot backen usw. gebaut wird. Sie arbeiteten bei uns freiwillig, gegen einen Arbeitslohn und manch anderes, was für sie wichtig war – z.B. gutes Werkzeug. Wir lernten viel von ihnen. Was und wie wird angebaut, wie wird die Quelle gepflegt – Leben ohne Strom und Heizung. Die Temperaturen konnten manchmal im Winter durchaus unter 0 Grad sinken. Wir lebten nahezu den Standard, wie er auf dem Land üblich ist – und fühlten uns bald reich beschenkt, von der Natur, von den Menschen. Spinnen, Flöhe, Schlangen – lernen, sie zu achten, wie Vögel, Hasen, Schmetterlinge……….. sich mit ihnen zu bewegen, ihren Lebensraum wertschätzen, erfahren, wie sie ihre Aufgabe im Gesamt-Organismus wahrnehmen.

Mit der Zeit wachsen wir in die Gemeinde der Comunarios hinein ca. 120 Menschen, werden als Freunde anerkannt. Das führt dazu, dass wir bei ihren regelmäßigen Versammlungen teilnehmen,  ihre Interessen gebenüber der Gemeinde „Samaipata“ mitvertreten, um Hilfe bei Wegebau usw. zu erhalten.

Wir können auch bei den Versammlungen der „Sozialen Bewegungen“ teilnehmen und lernen so, die Art und Weise ihrer Kommunikation kennen – manchmal sind es harte Auseinandersetzungen, jedoch ohne Beleidigungen, Frauen und Männer beteiligen sich gleichermaßen an den Gesprächen, sind einbezogen in die Entscheidungen, die meist im Konsens getroffen werden. Uns beeindruckt der gegenseitige Respekt, auch bei Kontroversen - meistens 😊 .

Was war also nun für uns so ganz anders, als in Deutschland ?

Leben ohne Strom – und nichts vermissen

Leben ohne Badewanne 😉 – und nichts vermissen

Duschen – mit Kaltwasser (oder Heisswasser, wenn die Sonne auf den schwarzen Schlauch von der Quelle her scheint)  im Freien – und nichts vermissen

Leben, eingebunden in den natürlichen Rhythmus – Tag/Nacht, Jahreszeiten/Wetterbedingungen – und es akzeptieren – und damit den eigenen Rhythmus finden und die Leichtigkeit……….

Manchmal können wir das Grundstück wegen Regen nicht verlassen – die Wege sind wie Schmierseife…… - die Natur bestimmt die Bewegung, den Lebens-Rhythmus…..

Stille – Geräusche, nur natürliche

Der Tagesablauf richtet sich nach den Bedürfnissen, jeder Handgriff hat seinen „Sinn“ – auch der Griff zur Hängematte 😊 – Holz sammeln zum Kochen, Wasser holen aus der ungefähr 20 Meter vom Haus entfernt weiter unten am Hang liegenden Quelle, die vollen Kanister wieder hochschleppen….  Ein paar Quadratmeter Fläche freimachen, für Gemüse-Anbau, Kartoffel (Ernte 3x im Jahr – welch ein Luxus), Gelbe Rüben, Spinat……

 

Wir lebten nicht „autark“ – manches erwarben wir von den Comunarios im Tausch von Sachwerten oder Geld, manches kauften wir zu…..